Mittwoch, 26. Mai 2010

Ende eines Boykotts - Ein Eingeständnis

Der Gründer-CINEtologe geht heute mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit, welche er sich selbst gern erspart hätte. Er fühlt sich jedoch der Wahrheit, Offenheit und Klarheit verpflichtet und lässt daher verlauten:

Mir konnte nicht entgehen, dass der persönliche Einsatz für eine faire und transparente Preispolitik (an dieser Stelle ausdrücklich: nicht nur) im CineStar Neubrandenburg auf taube Ohren stieß. Ein effektiv seit Anfang 2008 engagierter Blog konnte offensichtlich nicht das (zumindestens) regionalmediale Echo erzeugen, welches möglicherweise notwendig gewesen wäre, um Bewegung in zugegeben recht fest gefahrene Positionen zwischen mir und dem Theaterleiter des CineStar Neubrandenburg zu bringen. Das sollte man sich eingestehen können.
Als noch bis Ende August studienbedingt recht sporadischer Gast in Neubrandenburg (kaum mehr als 4 Tage alle 2 Monate) wäre es mir ein leichtes, den Boykott bis in den August aufrecht zu erhalten. Da ich jedoch nicht vorhabe, eine Ausnahmeregelung für die Boykott-Maßnahme zu finden - die angesichts u.a. eines für morgen geplanten Besuches einer Kinovorstellung mit mir wichtigen Menschen in eben jenem Kino zur Debatte stünde - erkläre ich hiermit den Boykott gegen das CineStar Neubrandenburg von seiten des Gründer-CINEtologen in meiner Person mit sofortiger Wirkung für beendet!
Damit ist keinesfalls eine Gleichgültigkeit über die unverändert inakzeptablen Situation in o.g. Kino (die Preisgestaltung, Relativierung der auch umsatzrelavanten Bedeutung von Stammkunden, offene Kommunikationsverweigerung sowie klare Service- und Dienstleistungsdefizite) verbunden - die legitime Kritik wird nur nicht mehr in einem doch eher stillen Boykott kanalisiert.
Ich bitte um euren Respekt für diese Entscheidung!

Der Gründer-CINEtologe

Nehmt dies zur Kenntnis und äußert euch dazu, wenn Bedarf besteht.

Dienstag, 25. Mai 2010

FFA-nalyse: Der Kinobesucher 2009 - unter der Lupe der FFA

Die FFA (Filmförderungsanstalt) hat ihre neue Studie im April 2010 veröffentlicht, die den "Kinobesucher 2009" unter die Lupe nimmt.

Seit mittlerweile 18 Jahren veröffentlicht die FFA ihre Studien über die Struktur des Kinobesuchs und die Entwicklung im Besucherverhalten. Seit 2004 werden die Zahlen in Form einer Präsentation herausgegeben.

Ich möchte euch an dieser Stelle die (in meinen Augen) zentralen Erkenntnisse aus dieser aktuellen Studie wiedergeben - teils als Zitate aus der Analyse, teils als Interpretation.
Beginnen wir mit der Besucherzahl: 30.800.000 Besucher mit 146.000.000 Besuchen - und einem unfassbaren Umsatz von 974.000.000 €.
Die FFA konstatiert mit folgenden Worten:

Das Jahr 2009 lockte 13,1% mehr Besucher in die Kinos und erwirtschaftete 22,8% mehr Umsatz als das Kinojahr 2008.
Die Anzahl der Besuche pro Kopf lag mit 4,7 ebenfalls über dem Wert in 2008.

Das sind die nackten Zahlen eines mehr als erfolgreichen Jahres 2009 für die deutsche Kinolandschaft.
Die 4,7 Besuche pro Kopf können dem Gründer-CINEtologen selbstverständlich nur ein müdes Lächeln abgewinnen - hat er doch 2009 seinen Stammkinos immerhin 55 Besuche (immerhin mehr als 1170% über dem Durchschnitt!) abgestattet.

Nun schärfen wir den Blick, dann stellen wir u.a. folgendes fest:

Im Jahr 2009 gingen wie in den Vorjahren mehr Frauen als Männer in deutsche Kinos. [...] Das Geschlechterverhältnis bleibt weiterhin ausgewogen mit Tendenz für die weiblichen Kinobesucher. Der Frauenanteil lag im Jahr 2009 bei nunmehr 56%. Damit hat sich das Geschlechterverhältnis in den letzten 10 Jahren umgekehrt. 2000 lag der Männeranteil noch bei 52%.
Das Durchschnittsalter des Kinobesuchers stieg leicht auf 33,6 Jahre. [...] Den größten Besucheranteil stellten auch 2009 die 20 bis 29 Jährigen mit 26%. Fast ein Viertel der Kinobesucher (24%) waren Jugendliche bis 19 Jahren. Im Zeitverlauf der letzten zehn Jahre ist die Zahl der 20 bis 29 jährigen Kinobesucher jedoch enorm gesunken. Im Vergleich zu 2000 gingen 2009 37% weniger Twens ins Kino.

Für mich in diesen Studien immer besonders interessant:



Diese Abbildung zeigt, dass die Gruppe der intensiven Kinogänger (welcher sich der Gründer-CINEtologe zugehörig fühlt und zu der er sich mit deutlich mehr als 7 Kinobesuchen pro Jahr ohne Zweifel zählen darf) von 12 auf 13% und gleichzeitig der Umsatzanteil dieser Gruppe von 42 auf 44% angewachsen ist. Damit gehört der Gründer-CINEtologe weiterhin der umsatzstärksten Gruppe der Kinogänger an!

Die 20 bis 29 Jährigen sind weiterhin die aktivsten Kinobesucher. Sie stellten 2009 36% der „intensiven Kinogänger“ mit mehr als 7 Besuchen.

Es wird erneut klar, dass jede Relativierung der Bedeutung von Stammgästen jeder Grundlage entbehrt.

Nun aber zu einem Thema, bei dem ich als Kinoblogger, der für jeden Kinobesuch den vollen Ticketpreis zahlen muss, besonders sensibilisiert bin: Die Preisgestaltung

Der durchschnittliche Eintrittspreis für einen Kinobesuch lag bei 6,67 €.

Das ist der höchste Stand seit 2000 (damals: 5,41 €)!

26% der Kinobesuche in 2009 kosteten mehr als 7,51 €.
Lediglich 2% erforderten weniger als 3,50 €.

Nun hat der Gründer-CINEtologe in der aktuellen Studie zu seinem Entsetzen entdeckt, wie dieser stetige Anstieg der Kinokartenpreise wortwörtlich "aus dem Bauch heraus" gerechtfertigt wird:

Mit Zunahme des Eintrittspreises erhöhen sich die durchschnittlichen Ausgaben für Verzehr. Die Zahl der Besucher, die Geld für den Verzehr ausgeben, erhöht sich mit Anstieg des Eintrittspreises. [Man kommt zu dem Schluss:] Ein niedriger Eintrittspreis animierte auch 2009 nicht zu höheren Ausgaben.
Dabei wurde generell in Kinos mit höheren Eintrittspreisen auch in 2009 proportional mehr für den Verzehr ausgegeben.

Wie ich schon über u.a. Identi.ca dazu anmerkte:
Nur weil die Leute bei einem hohen Eintrittspreis eher bereit sind, Popcorn etc. zu kaufen, muss der Gründer-CINEtologe sowie jener der CINEtologischen Bewegung nahe stehenden Personenkreis mehr Geld für die Kinokarte ausgeben?! Bin nur ich der Meinung, dass das ganz klar in die falsche Richtung geht und inakzeptabel ist?!

Sonntag, 23. Mai 2010

Kritik: Chloe (17.05.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✪
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✪
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Chloe im Körper von Amanda Seyfried beschreibt bereits zu Beginn in deutlichen Worten, was ihre Rolle ausmacht: Sie müsse gut sein, in dem, was sie tut und ebenso gut darin, darüber zu reden, was sie tut.

Dieser Film spielt nur indirekt an diversen Sets – die zentralen Drehorte sind neben verschiedensten spiegelnden Oberflächen die Gesichter der Darsteller. Darin besteht dann auch die große Stärke des Films: Kleinste Regungen und Emotionen werden detailliert von der Kamera eingefangen und schaffen eine intensive Atmosphäre. Hier fallen insbesondere die Dialoge zwischen Julianne Moore und Amanda Seyfried ins Auge.
Liam Neeson nicht zu erwähnen, wäre eine Beleidigung für die sehr gelungene Darstellung. Wo wir schon beim Cast sind: Denen, die sie nicht erkannt haben sollten, möchte ich sagen, dass die bildschöne Nina Dobrev aus der Serie Vampire Diaries einen kurzen Auftritt als Freundin des Sohnes der beiden Eheleute hat.

Der die Fantasie anregende Faktor nackte Haut und ausgiebige Schilderungen gewisser sexueller Handlungen aus dem Mund der zweifellos attraktiven Miss Seyfried (es ist dieser sehr explizite Umgang mit Erotik, der mich daran zweifeln ließ, dass dieser Film in den USA gedreht wurde, aber: dem ist so!) kann unmöglich vernachlässigt werden. Andernfalls wäre diese Rezension eine Farce.

Abstriche – und nein: ich spiele nicht auf den Beruf von Julianne Moore im Film an (obwohl: irgendwie ja schon mit diesem Einschub ;^)) – müssen bei der Hintergrundmusik (nichts gegen Klassik, aber an der ein oder anderen Stelle hätte ich gern am Lautstärkeregler gedreht) gemacht werden. Drehbuch und Dramaturgie trugen ihren Teil zum Gesamtfilmerlebnis bei, wären aber für sich genommen nicht sonderlich innovativ gewesen.

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Chloe
wurde für die
nominiert.

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Amanda Seyfried
wurde für ihre Rolle in
Chloe
für die
nominiert.

Kritik: Das Leuchten der Stille (11.05.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Ich folge einfach dem Bedürfnis voranzustellen, dass Verfilmungen, die derart offenkundig romantische Züge tragen, in meiner Kinoplanung sehr selten berücksichtigt werden.
Wäre ich konsequent dieser selektiven Leitlinie (und eine solche ist notwendig, wenn das Kino-Budget monetäre Grenzen hat) gefolgt, hätte ich einen Vertreter dieses Genres (Melo-Drama) verpasst, den es sich zu sehen lohnt.

Die Story ist im Groben schnell erzählt: Vom in Deutschland stationierten U.S. Soldat (Channing Tatum) auf Heimaturlaub, der sich in die schöne Studentin (Amanda Seyfried) in den Semesterferien verliebt, dann zurück in den Einsatz muss, von dort aus einen Brief nach dem anderen zu seiner Liebe schickt und kurz vor dem ursprünglich angedachten Dienstende mit dem Anschlag auf das World Trade Center konfrontiert wird, was ihn vor die in seiner Truppe selbstverständliche Wahl einer Verlängerung der Dienstzeit stellt. Belassen wir es dabei – spoilern stößt schließlich nicht bei jedem auf Gegenliebe…

Neben den beiden Hauptdarstellern ist es die von Richard Jenkins authentisch gespielte autistische Vaterfigur, die beeindruckt. Weder Kamera noch Dramaturgie haben eine bis dato nicht dagewesene Leuchtkraft – aber in Verbindung mit einem Drehbuch, das sich der Erfolgsgeschichte eines Buches bedient und durch eine besondere Schauspielleistung gelingt die Übertragung auf die Kinoleinwand. Die Folge von Schicksalsschlaglöchern in der Plot ist kritikwürdig – die Verunreinigung der dichten Filmatmosphäre bleibt in meinen Augen deutlich unter den kritischen Grenzwerten.

Ich fühlte mich emotional tiefer berührt als ich es gewohnt bin – und schon das rechtfertigt für mich eine überdurchschnittliche Wertung.

Kritik: Iron Man (05.05.2010, ab 20:00 Uhr)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Ein Double Feature vom 05.05.2010 im Kinosessel 5 gibt mir heute die Möglichkeit, dieses Leinwandwerk, welches erstmals am 0505.2008 (also exakt zwei Jahre vor der von mir ebenfalls besuchten Premiere des zweiten Teils) in deutschen Kinos zu sehen war, das mir damals jedoch – aus heute nicht mehr zu rekonstruierenden Gründen – nicht zugänglich war, mit einer CINEtologischen Rezension zu würdigen.

Marvel‘s Eisenmann glänzt durch eine Vielzahl schillernde Facetten:
So wird erstens das Cast unangefochten angeführt von Robert Downey Jr., der dem Charakter des Tony Stark zur lebhaften Leinwandpräsenz verhilft. Es ist das Schauspieltalent dieses Mannes, von welchem dieser Film seine Energie bezieht – er verkörpert quasi den Mini-Reaktor in der Brust von Tony bzw. das Herzstück des mehr als eisenhaltigen Kampfanzugsystems, welches im Mittelpunkt dieser Comicverfilmung steht.
Zweitens schafft die Story mühelos den Spagat zwischen Actionlast und Anspruch über eine Charakterstudie des Genius Stark, dessen unbeschwerter Umgang mit Wissenschaft und Technologie ihn in die Schwerelosigkeit eines Lebensstils zwischen Frauenheldentum, egozentrischer Weltsicht und globalem Waffenhandel katapultiert. Von der Gravitation eingeholt, muss der ultimative High-Tech-Superheldenanzug her.
Dass der dramaturgische Aufbau mehr Überzeugungs- als Innovationskraft vorweist, muss drittens zumindest Erwähnung finden.
Was viertens die Optik angeht, wurde aus dem Vollen geschöpft, ohne von einer gigantischen Explosion zur nächsten zu hechten.

Der Eindruck, den ich zuvor nur von einer auf DVD komprimierten Kombination aus Bild- und Tonspur (übermittelt auf eine 100+ cm Diagonale) gewinnen konnte, verdichtete sich bei genauerer Betrachtung auf der großen Leinwand zu einer eisernen Begeisterung.

Kritik: Iron Man 2 (05.05.2010, ab 22:45 Uhr)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Bei einer Gleichgewichtung der einzelnen Bewertungskriterien würde sich das über den Eisengehalt schon früh hinausgewachsene übermenschliche Kampfsystem nur noch knapp über dem bewusst nicht in der Bewertungsskala verankerten Mittelwert bewegen.

Diese egalitäre Gewichtsverteilung verbietet sich jedoch schon aus Respekt vor dem über Zweifel erhabenen Leistungsniveau von Mr. Downey Jr., dessen Würdigung sich diese Filmkritik stillschweigend verpflichtend verschrieben hat. Eine derartige Verschreibungspflicht kann niedriger angesetzt auf die zugegeben im Wesentliche optisch überzeugende Darbietung von Scarlett Johansson als Black Widow übertragen werden. Mrs. Paltrow verblasst nicht nur in Bezug auf die Haarfarbe zusehends in diesem Sequel. Wirklich sauer aufgestoßen ist mir jedoch das Tauschgeschäft mit der Rolle des Col. James „Rhody“. Was damit nicht zum Ausdruck gebracht werden soll, ist eine (betont: nicht vorhandene) Abneigung gegenüber Don Cheadle oder eine besondere Begeisterung für Terrence Howard, aber angesichts der im zweiten Teil vorgenommenen Fokussierung auf diese Nebenrolle ist es einfach unangebracht.
Mickey Rourke bleibt (gebührend am Rande erwähnt) farblos.

Zum Rest (Optik, Plot, Drehbuch) bleibt mir nur der Vorwurf der hemmungslosen Überfrachtung, die sich in der Metalllegion aus Iron Man Klonen versinnbildlicht.

Diese Rezension ist als Ausdruck des Bedauerns zu verstehen. Was der erste Teil noch scheinbar mühelos unter einen Helm brachte, rinnt dem Sequel durch die Hände: Zur Actionlast ein angemessenes Gegengewicht zu erzeugen.


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Robert Downey jr.
wurde u.a für seine Rolle in
Iron Man 2
für die
nominiert.

Kritik: Blind Side – Die große Chance (04.05.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✪
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Mein Zuschauer-Zugang zur Schauspielerin Sandra Bullock ist von Beginn an geprägt von einer Mischung aus Unverständnis für und Überraschung durch ihre Rollenwahl.
Mit einer nett formulierten Skepsis blicke ich zurück auf Miss Undercover und sehr aktuell auf Verrückt nach Steve; besonders positiv in Erinnerung ist mir im zeitlich weitesten Sinne Heat I sowie noch recht aktuell Selbst ist die Braut.

Vor diesem Hintergrund kann ich mich der außerordentlichen Faszination ihrer Darbietung in Blind Side nicht erwehren. Und das ist auch gar nicht nötig, wenn es einem ein Film derart einfach macht, sich von seiner auf wahrer Begebenheit beruhender Geschichte, deren Inszenierung und - vor allem - schauspielerischen Umsetzung begeistern zu lassen.

Das Sport-Drama um Michael „Big Mike“ Oher (gespielt von Quinton Aaron) ist von beeindruckender Intensität zu jedem Zeitpunkt der Dramaturgie. Das Portrait des schwarzen Heimkindes, welches in eine footballbegeisterte republikanische Familie unter der Schirmherrschaft der hartschaligen, zielstrebigen Leigh Anne Tuohy (unsagbar kraft- und ausdrucksvoll gespielt von eben dieser o.g. Sandra Bullock) hineinmanövriert wird.

Der Film macht im Grunde auf seinem Gebiet nichts neu – er macht es nur teilweise zum ersten Mal wirklich (auf)richtig und glaubwürdig.
Danke dafür insbesondere an John Lee Hancock für Regie und Drehbuch!

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Sandra Bullock
wurde für ihre Rolle in
Blind Side - Die große Chance
für die
nominiert.

Kritik: Sin Nombre (03.05.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Das “namenlose” Independent-Werk von Regie-Debütant Cary Fukunaga besticht durch seine Schlichtheit: Übersichtliches unbekanntes Cast; minimalistische Dialoge; qualitative statt quantitativer Kameraführungsstärke; eine Plot, die dem Storygeflecht aus Gang-Dasein und Migration gerecht wird ohne künstliche Ausschweife; ein Soundtrack, der sich unauffällig verhält und dennoch seiner Vermittlerrolle gerecht wird.

Es zeigt sich, dass unabhängige Produktionen nicht etwa an den Budgetunterschieden zu den üblichen Großproduktionen kranken, sondern oftmals ihren Anspruch nicht hinter einer Make-Up-Schicht aus VFX etc. verstecken können (und hoffentlich auch wollen!) und so wahrhaft authentisch wirken!

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Sin Nombre
wurde für den 
nominiert.

Kritik: Vincent will Meer (30.04.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Das wohl einzige Road-Movie (noch dazu ein deutsches), welches Tourette, Magersucht und Zwangsneurose auf humorvoll-einfühlsame Weise zusammenbringt.

So tief jedoch bei dem Charakter des Vincent (überzeugend verkörpert von Florian David Fitz, der übrigens für das Drehbuch verantwortlich gemacht werden darf) geschürft wird, so sehr kratzt das Drehbuch doch nur an der dürren Oberfläche der Marie (Karoline Herfurth) und des von Berührungsängsten geplagten Alexander (Johannes Allmayer).
Es krankt wortwörtlich neben der Nebenrollentiefe (bei einer lediglich 5-köpfigen Besetzung sehr schade) sowie an der Dramaturgie.

So sehr die Thematik und humoristische Einzelteile in der Umsetzung zu begrüßen sind, so bedauerlich ist die leicht gestörte Gesamtatmosphäre.

Kritik: Kick-Ass (27.04.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Wenn Arschtritte im Kino verteilt werden, dann hat man sich entweder gewaltig im Etablissement vertan – oder aber eine Vorstellung jener Comicverfilmung besucht, dem die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) die Einschätzung Besonders wertvoll wohl auf ewig verwehren wird.

Exzessive Gewalt lässt sich nicht nur im Comic kunstvoll darstellen - das beweist dieser Indie-Streifen äußerst eindrucksvoll. Das Cast ist brutal gut; Nicolas Cage setzt dem als Big Daddy nur die Krone des größeren Bekanntheitsgrades auf. Die Anspielungen im Drehbuch reichen weiter als nur quer durch die Untersuchungshaftzelle der üblichen Comic-Verdächtigen – sehr schönes Ding, wie das Drehbuch überhaupt. Irre, aber eben irre gut. Der Soundtrack kickt; die Dramaturgie muss anfangs scheinbar ordentlich Luft holen, um bei der wahnsinnigen Story am Ball zu bleiben.

Was bleibt, ist das Adrenalin, das bei Kick-Ass quasi aufs Haus geht und die Überzeugung, dass man gerade ein Highlight des Kinojahres gesehen hat, mit der sich später erscheinende Produktionen werden messen müssen. Fakt.

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Kick-Ass
wurde mit dem
prämiert.


Kick-Ass
wurde für den 
nominiert.

Kritik: Verrückt nach Steve (26.04.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    

CINEtologisches Fazit:

Das erste und zugleich vorerst letzte Sneak Preview in meiner wie auch immer gearteten und wie auch immer verlaufenden unbezahlten Kino-Kritiker-Karriere unter dem Banner der CINEtologen:

Massiv überzuckertes Lachnaschwerk, deren Zutaten bei einer Ampel (ob nun für Lebensmittel oder Kinofilmmaterial) sofort Röteln verursacht. Sandra Bullock (die den Film zu ihrer Schande auch noch mit produziert hat!) legt in die Rolle der Mary Horowitz zu viel des Guten (dazu darf man Humor grundsätzlich zählen) und erschwerend dazu noch zu viel des Schlechten (ein Drehbuch für 99 Minuten Nerven tötenden Film, der sich zur negativen Krönung auch noch moralisch gibt).

Frau Bullock, bitte lassen sie die Finger von der Filmproduktion - zumindest wenn sie damit das Genre der Komödien bedienen wollen. Und: Ihre Schauspielkunst können sie auch in anderen Rollen ausdrücken, da bin ich mir sicher!

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Verrückt nach Steve
wurde für die
nominiert.