Dienstag, 23. Februar 2010

Kritik: Der Ghostwriter (Analyse: 21.02.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Was Polanski privat macht, darüber muss nicht ich, sonder darüber dürfen Schweizer Gerichte urteilen. Was er jedoch für die Kinoleinwand zusammenwerkelt, darüber kann ich sehr wohl ein paar Worte verlieren.

Wir sind empfindsame Geister...
Als Reaktion auf eine Stichelei gegen die Ghostwriter-Zunft ist dieses Filmzitat ebenso geeignet wie als ironischen Einstieg in diese Rezension zum (Kino)Film.
Das Cast liefert keinerlei [ich kann es mir nicht verkneifen:] (An-)Klagepunkte: Hauptdarsteller Ewan McGregor spielt den immer wieder aufs neue von den Implikationen seines Ghost-Daseins Überraschten so hervorragend, dass man dem Film trotz der düsteren Grundhaltung etwas humorvolles abgewinnen kann; Pierce Brosnan übertrifft meine Erwartungen in Bezug auf seine höchst politische Interpretation des Adam Lang (a.k.a. Tony Blair? Man weiß es nicht...).

Neben der Tatsache, dass man sich bei der Schauplatzwahl meines heimatlichen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern bedient hat, muss an dieser Stelle einfach das Strandhaus mit der einmaligen Fensterfront im Arbeitszimmer von Mr. Lang erwähnt werden.

Die Story nimmt keine unnötigen Umwege und ist (wie der Tonfall der Akteure) recht gerade heraus, die Kamera ist relativ statisch (was sich jedoch als bestens geeignetes Mittel dieser Erzählung herausstellt, insbesondere mit Blick auf die Schlussszene) und der Spannungsbogen tut sein übriges, um über die gesamte Filmlänge zu fesseln.

Mich hat ihre Darstellung überzeugt, Herr Polanski.
Wie das allerdings die ehrenwerten Richter in ihrem Fall sehen, weiß ich natürlich nicht...




Der CINEtologische Würdenträger ersten Ranges hat diesen Film ebenfalls rezensiert.

Kritik: In meinem Himmel (Analyse: 18.02.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Ich muss mich unglücklicherweise enttäuscht zeigen über diese Produktion von Peter Jackson: Ein Drehbuch, an dem er selbst mitgeschrieben hat (neben Fran Walsh und Philippa Boyens) verkommt im letzten Fünftel/Sechstel zu einer unrühmlichen Textsammlung mit Vorschlägen für ein alternatives Ende.

Es scheint fast so, als hätte man gegen Ende der an sich wunderschön teilweise aus dem Off erzählten Geschichte krampfhaft versucht, Randnotizen im Drehbuch doch noch anzufügen.
Die bis zur Szene, in der die Kerze erlischt, aufgebaute Harmonie wird mit dem Tresor in die im Laufe des Films stetig angewachsene Müllgrube auf dem Land verklappt.
Spätestens dann, als Susie Salmon (von einer überragenden sowie bildschönen Saoirse Ronan gespielt) den Baum erreicht, der den Übergang von der Zwischenwelt zum wahren Himmel markiert, und dort die anderen Opfer ihres Peinigers trifft, hätte Schluss sein müssen.

Was bleibt, ist eine ungebrochene Begeisterung für die Bildersprache mit all den wieder aufgegriffenen Details in der Zwischenwelt, die vermittelte unbedingte Liebe eines Vaters (hier: Mark Wahlberg als Jack Salmon) zu seiner toten Tochter sowie die überzeugende Darstellung des Trieb- und Wiederholungstäters George Harvey durch Stanley Tucci. Der Rest ist Trauer über eine unentschuldbare Fahrlässigkeit der Drehbuchautoren.

CINEtologischer Würdenträger Ersten Ranges meint:
Insgesamt ein sehenswerter Film, der leider kurz vor Ende übers Ziel hinausschießt und damit wohlverdiente Lorbeeren verfehlt.
5 Sterne

Kritik: The Book of Eli (Analyse: 17.02.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Meine durch den Trailer geweckten (vorrangig optischen) Erwartungen an die Story um das EINE Buch wurden erfüllt:
Denzel Washington bewegt sich als Eli auf seinem eigenen Pfad souverän und scheinbar unaufhaltsam durch ein atmosphärisch großartig in Szene gesetztes Weltuntergangssurvivalszenario (dem die doch eher grobkörnige Animation fast schon schmeichelt), in dem ein (schon eher klassischer) Gary Oldman-Charakter (Carnegie) es auf sein Buch abgesehen hat.

Die Blinden-Tour, die als Plot-Twist herhalten muss, ist nicht ausgereift und v.a. nicht ganz glaubwürdig, aber darüber kann man in diesem Film in meinen Augen hinwegsehen - versteht ihr? *augenzwinkernd*
Überhaupt scheint auch das Drehbuch eher in hastiger Blindenschrift verfasst worden zu sein: Zu schnell ist das Geheimnis um das Buch gelüftet und auch die Charakterentwicklung vom kompromisslosen, gradlinigen Hardliner mit der Hand am Schwert zum halbherzig nächstenliebenden Christenmenschen, der für andere mehr tut als für sich selbst überzeugt nicht und war absehbar.

Wenn eine Story über den Heilsbringer Religion in der Endzeit angesiedelt wird, dann muss mir das als bekennender Ungläubiger wohl nicht bis in die Tiefe schmecken. Dennoch liefern Denzel und auch Gary ganz ansehnliche Schauspielerei ab, die nicht genug Tiefe bietet, wohl aber oberflächliches Interesse aufrechterhalten konnte.
Mit Mila Kunis bedenkt uns der Film schließlich noch mit etwas bemerkenswert-attraktiv Weiblichem, ohne die Rolle der Solara jedoch wirklich ernsthaft voranbringen zu wollen, was insbesondere an ihrer Ich-habe-ein-großes-Erbe-anzutreten-Schlusssequenz deutlich wird – unnötig und unpassend.

Bei der Detailsuche fielen mir neben der sehr offensichtlichen Motorola-Werbung folgende ins Auge: Neben dem Buch über Mussolini in Carnegies Hand und dem Dan-Brown-Schinken The Da Vinci Code, den seine Biker-Gang von einem ihrer Raubzüge mitbringen, findet sich auf dem Schreibtisch auch das Tagebuch der Anne Frank. Desweiteren ist ein PUMA-Schriftzug an dem Gebäude neben der Garage zu erahnen, aus der die gepanzerte Fahrzeugarmada die Verfolgung von Eli und Solara aufnehmen.
Im Grunde erzählt der Film wenig, das jedoch atmosphärisch genug, um mich 118 Minuten bei der Stange zu halten.

Der CINEtologische Würdenträger ersten Ranges hat diesen Film ebenfalls rezensiert.

Die 1. CINEtologische Dreifaltigkeit vom 16.02.2010

Eine zugegeben recht kurzfristig zwischen dem Gründer-CINEtologen, dem CINEtologischen Ehrenmitglied hinter der Coraline-Gastrezension und einem langjährigen Begleiter der CINEtologischen Bewegung ausgehandelte Filmkonstellation mit insgesamt 350 reinen Filmminuten prägte einen Kinonachmittag und -abend, der vom ortsansässigen Kinoanbieter diesmal nicht mit der gebührenden Würdigung bedacht wurde, aber dennoch als gelungen bezeichnet werden kann – das Privileg der Bezeichnung CineMaRathon kann einem solcher Dreisprung durch die Kinosäle (4 zu 3 und zurück zu 4) allerdings nicht zu Teil werden.

Gedankt sei an dieser Stelle o.g. Mitwissern der CINEtologik.
Den Hinweis einer angemesseneren Behandlung von Stammkunden und wahren Kinoliebhabern richte ich nicht zum ersten Mal an das CineStar Neubrandenburg.

Kritik: Wenn Liebe so einfach wäre (ab 14:40 Uhr)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Meryl Streep gehört für mich nicht erst seit heute zum begnadeten Teil Hollywoods – und das mache ich nicht nur daran fest, dass sie die ausgezeichnetste Filmdarstellerin (im Sinne von: mit unfassbar vielen Auszeichnungen) ist, sondern aus meiner persönlichen Bewunderung für ihre Rollenübernahmekompetenz, die sie – egal in welchem Film - an den Tag legt.

Im Adler-Duett mit Alec Baldwin, der als Jake in einer Affäre mit seiner Ex-Frau Jane plumpe Bewunderungsbekundungen und Eifersucht herausragend zusammenbringt, stimmt bis auf den eher fehlbesetzten Steve Martin die Rollenchemie. Im Cast findet sich allerdings auch eine Überraschung: John Krasinski brilliert in seiner Interpretation des Schwiegersohns zwischen den Stühlen der Adler-Affäre. So gut er auch ist - den fehlenden siebten Darsteller-Stern kann er nicht mehr zum Leuchten bringen.

Festgehalten werden sollte das Charakteristikum der Gefühlsunterbrechung in diesem Film: Kaum hat man dem Humor das bevorstehende Menü schmackhaft gemacht, schlägt der Küchenchef persönlich der emotionalen Begleiterin des Humors unvermittelt vor, doch vom Buffet am Nebentisch zu kosten. Besonders markant war dies beim großen Webcamauftritt von Jake.

Meine durchgängige 6-Sterne-Wertung in allen Bewertungsansatzpunkten soll der Ausdruck dafür sein, dass der Film im Grunde (bis auf die Architekten-Rolle) alles richtig macht – vor allem ans Herz geht - und lediglich künstlerische Nuancen im Auge des CINEtologischen Betrachters fehlen, um ihm den fehlenden Stern an die Brust zu heften.

Kritik: The Wolfman (ab 18 Uhr)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Das Werwolf-Thema ist in der Filmgeschichte – wie der Vollmond - kein isoliertes, seltenes Phänomen, dem bislang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Was The Wolfman gelingt, ist vor allem die zeitgemäße, d.h. die technisch gelungene, Inszenierung der Verwandlung in ein haariges, blutrünstiges Untier.
Die nicht uninteressante Besetzung, die auf 3 grundsoliden Fußpaaren (Hopkins, Weaving & Del Toro) durch das nebelumwaberte Blackmoor-Setting stapft und mit Emily Blunt (vllt. bekannt aus Der Teufel trägt Prada) hat man dem/den Biest/ern schließliche eine Schönheit gegenübergestellt, die allerdings bis auf ihre ästhetische Präsenz wenig in die ohnehin etwas dünne Story einbringt.
Wenn die Schöne dem entmenschlichten Biest am Ende... - was sagt es über die Plot aus, wenn man diesen Satz problemlos ergänzen kann?

Dennoch bleibt es eine solide Leistung von Hopkins (er greift auf sein Standardrepertoire zurück, möchte man meinen) & Del Toro (in ihm verbinden sich Optik und Schauspiel zu einem glaubwürdigen Werwolfsmenschen – aber eben auch nicht mehr) sowie eine – wenn auch storybedingt nur angedeutete – leicht hervorstechende, von Weaving gespielte Figur des Werwolfjägers Francis Aberline.
Ach ja, die obligatorischen AusdemKinosesselhochschreckmomente waren inklusive.

CINEtologischer Würdenträger Ersten Ranges meint:

Es reicht auch einfach ein klassisches Horrorwesen überzeugend umzusetzen und in einen grundsoliden Film zu betten, der nicht vor Kitsch trieft. [...] Hübscher Film, ohne grobe Schnitzer. Nicht mehr, nicht weniger.
5 Sterne

Kritik: Sherlock Holmes (ab 20:10 Uhr)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    

CINEtologisches Fazit:

Die erste 7-Sterne-Wertung in diesem noch jungen Jahr 2010!
Als Gründer-CINEtologe ist man bemüht, keine voreiligen Urteile zu fällen, die dann dazu führen, dass das mühsam erarbeitete Bewertungssystem der 7-Sterne-Skala von Kurzsichtigkeit zerschossen wird und somit an seiner empfindlichsten Stelle ausfranst: dem finalen Stern der feinen Nuancen.
Warum ich schließlich, vor diesem Hintergrund und nach einigem nicht zu unterschlagenden Ringen, nicht anders konnte, als hier o.g. Skala auszureizen?

Nun, vor allem, weil dieser Guy-Ritchie-Film (ja wirklich, ich wollte es während der Kinovorstellung auch nicht so recht glauben) sich zu keiner Zeit handwerkliche, schauspielerische oder auch künstlerische Fehler erlaubt. Im Gegenteil: Großartige Dialoge in einer von zeitgemäßem Anstand und zugleich Ironie geprägten Sprache zwischen den sich wunderbar ergänzenden Hauptcharakteren Holmes & Watson (tadellos bis perfekt gespielt von Robert Downey jr. & Jude Law); die gekonnte Andeutung des abduktiven und experimentelle Vorgehens dieser wohl bekanntesten Detektiv-Figur, welche aus meiner Sicht eben nicht nur ins Action-Genre verpflanzt und dabei geopfert wurde; der bei weitem nicht randständige Charakter der von Rachel McAdams blendend verkörperten Irene Adler sowie der (entmystifizierte) Schwarzmagier Lord Blackwood (gespielt von einem mark(anten) Mr. Strong); ein explosives Story- & Plotgemisch, dessen optische Umsetzung mehr als überzeugt und von der Kamera ins rechte Licht gerückt wird.
Als die entscheidende Innovation dürfen die vorausplanenden Bullet-Time-Momente des Sherlock Holmes in den Nahkämpfen gewertet werden.

Alles in allem kann ich guten Gewissens, wenn auch weiterhin mit einem Ausdruck der Überraschung Guy Ritchie zu diesem Glanzstück seiner bisherigen Karriere nur gratulieren!

In hoffnungsvoller Erwartung der geballten Kritikmaschinerie

Der Gründer-CINEtologe

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Sherlock Holmes
wurde für den 
sowie für die nominiert.


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Robert Downey jr.
wurde u.a für seine Rolle in
Sherlock Holmes
für die
nominiert.

Kritik: Valentinstag (Analyse: 15.02.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Valentinstag steht in der (nicht nur dramaturgischen) Tradition von Tatsächlich... Liebe - das führt zu Abzügen bei der Kategorie Innovation, überzeugt aber im Gesamtbild: Großes Schauspielaufgebot (von Ashton Kutcher und Jennifer Garner im Zentrum über Anne Hathaway, Julia Roberts und Jessica Biel bis hin zu Jamie Foxx und dem Grey's Anatomy Ärzteduo Patrick Dempsey und Eric Dane - nicht zu vergessen: Jessica Alba) meets (mehr oder weniger) romantisches Setting mit dosiertem Kitsch und ungeahnter Plot-Linienführung.

Die beiden Nachwuchsstars Taylor Swift (der erfolgreiche amerikanische Country-Newcomer) und Taylor Lautner (der Twilight-Werwolf) überzeugen in (wie ich finde) selbstironischen Rollen. Herr Kutcher liefert eine (bei weitem nicht selbstverständlich) gute Leistung vor der Kamera ab. Die einzelnen Storystränge sind komisch und recht unverbraucht. Der Soundtrack passt ins Bild.

Man darf darüber streiten, ob die Welt diese explizit auf den kommerzlastigen Tag der Liebenden bezogenen Romanze wirklich braucht – ich für meinen Teil habe ihn gern gesehen und schäme mich auch nicht für dieses 5 Sterne-lastige JA zum romantischen Film.

Kritik: Percy Jackson – Diebe im Olymp (14.02.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Wo ich bei Harry Potter immerhin noch darauf verweisen konnte, dass ich mir zumindest den ersten Teil in Buchform zu Gemüte geführt habe, muss Percy Jackson damit leben, dass (nicht nur) er auf seinen Kinoleinwandeindruck reduziert wird. Und dieser Eindruck überzeugt nicht. Dabei bietet die mythologische Verbindung von antiken Göttern und Normalsterblichen eigentlich seit Anbeginn Stoff für ausgeschmückte Erzählungen.

Das erste, was ins Auge fällt - und dort ein dornenartiges Dasein fristet - ist die alles andere als fließende oder gar subtile Integration der griechischen Mythologie in die Moderne u.a. eines 12-jährigen Highschool-Schülers:
Das Halbgotttrainingslager hat zwar Pfadfinderflair, macht sich aber bereits am Eingang (in Form des unspektakulären Portals, das Normalsterbliche nicht passieren können) lächerlich.
Nicht zu vergessen, dass natürlich alle Orte, an denen uns griechische Gottheiten und ihre Symbole im Film begegnen, ausschließlich in den Vereinigten Staaten von Amerika liegen. Versteht sich von selbst – man selbst versteht es allerdings nicht.
Auf die Spitze getrieben wird diese Integrationsunwilligkeit beim Zwischenstopp in Las Vegas, wo Sirenen als sog. Lotusesser das zentrale Trio aus Percy (anerkennenswert souverän gespielt von Logan Lerman - dem ein oder anderen aus Gamer bekannt), Granger (dem schwarzen Ziegenbock, halbwegs (wörtlich gemeint) verkörpert von Brandon T. Jackson, beauftragt mit der Einhaltung der Gagquote) und der zugegeben nicht ganz uninteressanten Annabeth (Alexandra Daddario als kampferprobte und hübsch anzuschauende Tochter der Athene) von ihrer Mission abzubringen versuchen. Der Gipfel dieser Farce ist aber erst erreicht, als dem Zuschauer die Hollywood-Hills mit den Hollywood-Lettern als Tor zur von Hades regierten Unterwelt präsentiert wird.
Sehr kreativ, doch. Da hat man schon apathische Menschen erlebt, die mehr Fantasie bewiesen haben!

Neben der vergebenen Chance in Bezug auf die Story, einem (Achtung! Wortspiel:) P(l)otpourri (hier gemeint: die alte Bezeichnung für Eintopf, den ich nebenbei erwähnt, nicht besonders gut riechen und schmecken kann) und die Halbherzigkeit bei der Umwelt für die Halbgöttlichkeit werfe ich (nicht zum ersten Mal) der Abteilung für virtuelle Effekte Unsauberkeit vor, die sich vor allem bei der Präsentation des Schattenreiches von Hades zeigt: Diese „Flammenhölle“ bringt höchstens halbgare Hähnchenhälften ins Schwitzen. Die einzelnen mythenumwobenen Gestalten (z.B. Hydra und Medusa) hingegen kommen ganz gut (gemacht) rüber.

Besonders bedauerlich ist das verspielte Schauspieltalent: Ob Pierce Brosnan als Zentaur Chiron, Sean Bean als Zeus oder Uma Thurman in Gestalt der Medusa - keine/r ist wirklich ernsthaft gefordert und wirkt damit wie ein blasses Abbild von etwas, dass immerhin zumindest ein sagenhaftes Wesen oder gar eine Gottheit sein soll!

Kurzum: Der Titel Percy Jackson – Diebe im Olymp führt in die Irre, denn jener Olymp, der hier von Dieben heimgesucht wird, verdient diese Bezeichnung nicht und der wahre Diebstahl bezieht sich nicht auf den Herrscherblitz, sondern auf die Geldbörse und das Zeitkonto der Kinozuschauer!

Kritik: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen (Analyse: 24.01.2010)

Gesamteindruck: ✪✪✪✪✪✪
Darsteller       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Drehbuch       ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Dramaturgie   ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Innovation      ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Kamera/Optik ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰
Soundtrack     ✰ ✰ ✰ ✰ ✰ ✰

CINEtologisches Fazit:

Ein wortwörtlicher Augenschmaus, den Sony Pictures Animation mir da vor die Linse gesetzt hat:
Liebevolle und detailverliebte Animationen kennt man bislang vorrangig aus der Schmiede von Pixar, aber Sonys Animationsstudio steigert dies durch die Einbettung in ein derartig kreatives wie innovatives Setting (eine Fischerinsel wird quasi über Nacht durch den Erfindergeist des eher unpopulären Flint Lockwood zum metereologisch-kulinarischen Nabel der Welt) zu wahrer Größe.

Das Sprichwort „Not macht erfinderisch“ kann hier getrost um den Zusatz „und Erfindungen machen hungrig“ ergänzt werden: Vom Burgerregenschauer über die Speiseeislandschaft als Geburtstagsgeschenk [an dieser Stelle als kleine Anregung für all jene, die noch nach einem passenden Geschenk für den Gründer-CINEtologen suchen, zu verstehen] und die Götterspeisevilla bis hin zum Spaghettitornado.

Die Charakterentwicklung des Flint sticht in diesem Animationsfilm besonders hervor, wenn er von der kindlichen, durch die Mutter beflügelten Euphorie des Entdeckers/Erfinders in ein Loch der Sinnfrage fällt, welches der ihm verbliebene Vater mit Fischereivergleichen und einer (viel zu) tief sitzenden Augenbraue zu füllen versucht; wenn er von seinem Status als gehypter Delikatessen-Professor geblendet wird, um schließlich in einer nerdigen Wetteransagerin seine bessere Hälfte zu finden.

Vom Sprachchip-Äffchen und dem an grimmigen Gummibärchen vorgenommenen mittelamerikanischen Herzopferkult bis zur Spitze gegen Großbritannien im Abspann – es sind die Details, mit denen mich dieser Film letztendlich gepackt hat.
Eine im Gegensatz zum (regulären) Wetter alles andere als vorhersagbare Dramaturgie tat ihr übriges.

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Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
wurde für die
nominiert.

DVD und Blu-ray Verleih per Post (inklusive VoD)