Samstag, 23. Oktober 2010

Kritik: Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (23.10.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Schon der Einstieg war durch und durch originell, in dem man das Universal-Theme stilecht im Gameboy-Sound erklingen ließ. Was folgte, war mein erstes wahrhaft comic-eskes bzw. Graphic novel-lierendes (Vorlage von Bryan Lee O’Malley) Filmerlebnis.

Die Love-Story um den meistens halbstark und introvertiert wirkenden Kanadier Scott Pilgrim (Michael Cera) und die haarfarbenprächtig bezaubernde wie selbstbewusste US-Amerikanerin Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) mit ihren rachsüchtigen, bestens organisierten Ex-Lovern in einem Bildermeer verrückter, schneller Episoden ungebändigten Einfallsreichtums ist so charmant wie hemmungslos overdosed. Und das sind beides Komplimente v.a. an Edgar Wright (Regisseur, Mitautor und Mitproduzent).   

Riiiinnnnng, KPOW etc. - so neu für mich diese direkte Intergration von Geräusch-Verschriftlichung in Comic-Manier in einen Kinofilm auch war, so sehr blieb bis zum Schluss das subjektive Verlangen nach einer Steigerung dieses Effektes, wobei ich mir der dabei zu absolvierenden Gratwanderung vollends bewusst bin.
Das gilt hingegen nicht für die Videospiel-Elemente des Split-Bildschirms, des Level Up, der Ummünzung des Gegners usw..
Auch die Kamerabewegungsfreiheit (Verantwortlicher: Bill Pope) und die rasant-(über)blendende Schnitttechnik (Jonathan Amos und Paul Machliss) verdient meine ausgesprochene und verschriftlichte Bewunderung.
Den o.g. Wehrmutstropfen auf den bestens unterhaltenen und erheiterten Stein wischt das jedoch nicht fort.

Und wenn ich schon bei Kritikpunkten bin: Die Plot war gegen Ende unsauber bzw. zu konstruiert (Chip am Hinterkopf usw.). Musikalisch kam ich wenig auf meine Kosten, aber das war ja stark storybedingt und damit eigentlich nicht ankreidbar. Aber es bestimmt eben schon irgendwie die subjektiv empfundene Atmosphäre.

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Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt
wurde für die
nominiert.

Kritik: Die etwas anderen Cops (15.10.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Was diese Kaskade an Spruchklopfzeichen - hier wird die Dialog-Kategorie im Bewertungssystem vom Schöpfer eben dieses Systems selbst schmerzlich vermisst - zu einem 6-Sterne-Kinomenü für den Gründer-CINEtologen gemacht hat, mag sich der geneigte wie der sporadische oder gar neue Leser dieses Blogs fragen.

Es ist immer eine Schippe zu viel, hat man das Gefühl. Aber dieses too much, die ich wohl jedem anderen Komödien-Kino-Vertreter übel genommen hätte, wurde von Wahlberg, Ferrell (er nicht nur Darsteller sondern auch im Produzententeam), Jackson, Johnson und Mendes & Co. so übertrieben sympatisch und urkomisch durchgezogen, dass ich mich zu einer Ausnahme verpflichtet fühle.

Unvergessen bleibt die Base-Jumping-Einlage von Detective P.K. Highsmith und Detective Christopher Danson hinein in das ehrenhafte Ausscheiden aus dem Polizeidienst via Sargnagelprobe -
was für ein Plot-Twist!
Marks kunstvolle Tanzeinlage, die Bebilderung der gemeinsame Sauftour von Gamble und Hoitz... darf, sollte, muss man schlicht gesehen haben.

Der sechste Stern reihte sich erst mit dem Abspann zu der vollkommen abstrusen Story rund um Mobbing unter Polizeibeamten und den zweckentfremdeten Polizeipensionsfond ein, als ich ansprechend aufbereitet statistische Darstellungen von Vorgängen der Finanz- und Wirtschaftskrise vor die Linse bekam.

Kritik: Wie durch ein Wunder (09.10.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Dieser Kinobesuch diente vorrangig der Begutachtung des potenziellen Schauspieltalents des Zachary David Alexander Efron außerhalb des behüteten Rahmens des High School Musicals, das er wohl nie mehr vollständig wird abstreifen können.

Von der High School und dem Segelboot auf den Friedhof im Kampf gegen Gänse, Unkraut und die Schuldgefühle, die sich im naheliegenden Wald nach dem Kanonenschuss in Form seines verstorbenen Bruders (gespielt vom 13-jährigen Charles Tahan) manifestieren. Und dann tritt jemand (weiblich, attraktiv, sportlich, altershomogen - kurz: Tess Carroll alias Amanda Crew) in sein Leben, der die Rituale durcheinander bringt und an das verbliebene Leben in ihm appelliert. Damit sollte ich die Story nachvollziehbar umrissen haben. Und auch der auf dem amerikanischen Filmposter präsente Pathos (Life is for living) sollte deutlich geworden sein.

Was habe ich also davon gehalten?
Erst einmal recht viel von der Darstellung des Charlie St. Cloud durch o.g. noch recht jungen Schauspieler. Seine Mimik und Gestik wirkten nicht übertrieben und die Emotionen waren fühlbar. Der kleinere Bruder Sam hingegen war nicht immer wirklich glaubwürdig. Die Mutter Claire (dargestellt von Kim Basinger) bekam zu wenig Zeit auf der Leinwand zugesprochen, um einen echten Charakter abzugeben.
Drehbuch und Dramaturgie sind eher seichtes Material, das vielleicht Teenie-Mädchen ein Tränchen abgewinnen mag. Insgesamt bietet diese neuerliche Umsetzung der Themen Medium, ruhelose Seelen und herumgeisternde Angehörige wenige Neuerungen und verbleibt daher vielmehr als ein Beweis, dass Zac tatsächliches schauspielerisches Potenzial besitzt, dem nun nur noch ein Drehbuch mit einem weniger auf bereits in ähnlicher Form angegriffene Tränendrüsen drückenden Grundgerüst entgegenkommen muss.

Kritik: The Social Network (06.10.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Schöpfungsmythen brauchen einen Teufel.

Der Mark Zuckerberg, der im sozial vernetzten Filmprojekt von David Fincher (Regie) und Aaron Sorkin (Drehbuch) auf Basis des Buches Milliardär per Zufall: Die Gründung von Facebook – eine Geschichte über Sex, Geld, Freundschaft und Betrug von Ben Mezrich porträtiert wird, taugt nicht zu einem solchen simplifizierten Teufel.

Und damit vollbringt der Film - "[that] isn’t a documentary. Art isn’t about what happened, and the properties of people and the properties of ‘characters’ are two completely different things" (Sorkin im New York Magazine) - dann auch seine größte Leistung:

Er gibt sich nicht mit dem so oft bemühten und dabei belassenem Dualismus von gut und böse zufrieden.
Er sprüht vor Sarkasmus aus dem Mund des zentralen Darstellers Jesse Eisenberg, versprüht gleichzeitig diese faszinierenden IT-Funken aus dem lodernden Brandsatz nach dem Big Bang der Sozialen Netzwerkbildung (mein Gegenentwurf zum oben genannten Schöpfungsmythos) in einem kleinen Zimmer auf dem Campus der vielgerühmten Harvard University.
Er versieht einen Musiker mit der Rolle als Hassfigur der Musikindustrie: Justin Randall Timberlake gibt den Sean Parker hinter Napster.

Das Gebilde des Neides, des Verrats, des grenzenlosen Ehrgeizes, das so sorgsam und umsichtig errichtet wird, gerät immer wieder ins Wanken, sodass man eine Position auf beiden Seiten einnehmen muss, um einen einigermaßen stabilisierten Eindruck von der Legende um Facebook zu bekommen.

The Social Network hat, was es braucht, um die kurzlebige Zeit der großen Leinwandpräsentation zu überdauern: Einen Hauptdarsteller mit Profil; eine Geschichte, die sich mit einem Phänomen des Internetzeitalters beschäftigt ohne dabei die Moral für den Zuschauer vorausschauend vorwegzunehmen; eine besondere musikalische Untermalung (verantwortlich dafür: Trent Reznor und Atticus Ross), die das von der Kamera beeindruckend eingefangene Kunstwerk als solches manifestiert und schließlich eine Erzählstruktur, die uns aus dem Kanzleibesprechungsraum in die Uni, in den Club, nach Kalifornien und zurück führt.

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The Social Network

wurde mit dem
Goldenen 35mm Kinostreifen am Horizont
prämiert.


The Social Network
wurde für den 
sowie für die
nominiert.

Kritik: Ich - Einfach unverbesserlich (03.10.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Die Kritiken des Gründer-CINEtologen nehmen sich nicht selten und noch dazu sehr gern den - in den Augen der Außenstehenden - wohl eher den unscheinbaren, marginalen, vielmehr als beiläufige Randnotizen gewerteten Details in den rezensierten Kinofilmen an. In diesem Fall muss ich hier ohne weitere Umschweife auf die Gru-Ray Disc zu sprechen kommen. Als bekennender Liebhaber des in Disc-Form gebrachten bläulich strahlenden Materials kam ich nicht umhin, diesen Schriftzug am Minions-Mischpult im Film zu bemerken - sowie für den realen Einkauf vorzumerken.

Wer darüber hinaus noch Gründe für eine 6-Sterne-Wertung braucht, bekommt hier sechs sicherlich einleuchtende geliefert:

(1) Ich mochte die deutsche Synchronstimme mit dem Delay-Faktor von Vector;
(2) Agnes und ihre Einhorn-Passion muss man einfach lieb haben;
(3) Evil Bank - ehemals Lehman Brothers (muss ich das weiter ausführen?!);
(4) jedes Minion für sich verdient einen Griff zu den Sternen (bzw. zum Mond);
(5) die Milch aufschlabbernden Fingerpuppen-Kätzchen liefern die Inspiration für das Gru'sche Nasen-Einhorn;
(6) Gru gibt einfach einen grundsympatischen, keineswegs akzentfreien oder kreditwürdigen Bösewicht ab.

Ein Schurke, der durch das Zutun von Waisenkindern seine gute Seite nach Außen kehrt, ist alles andere als eine innovative Filmfigur oder eine bis dato nicht gekannte Charakterwendung, aber zum ersten Mal wurde ich mit diesem Storygrundgerüst so blendend animiert unterhalten.

Meinen außerordentlichen Dank für die hervorragende optische Umsetzung spreche ich daher heute Illumination Entertainment sowie den Universal Animation Studios aus!

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Ich - Einfach unverbesserlich
wurde für die
nominiert.

Kritik: Eat, Pray, Love (25.09.2010)

Gesamteindruck:
Darsteller      
Drehbuch      
Dramaturgie  
Innovation      
Kamera/Optik
Soundtrack    


CINEtologisches Fazit:

Wie u.a. Felicia Day auf Twitter zutreffend bemerkte, ist mit FIRST, WORLD, PROBLEMS der Filmkern deutlich markanter erfasst als mit dem gewählten Titel. Aus dem Off startet der eigentliche Grund für diesen Kinobesuch, Julia Roberts, mit einer vielsagenden Geschichte über Flüchtlingsfrauen, deren Hauptsorge letztendlich in der Liebe (zu einem Mann) besteht, dem sie beispielsweise im Flüchtlingslager begegnet sind – das einende Band zwischen Vertriebenen und jenen Verlorengeglaubten im Alltag aus Wohlstand und Wahlfreiheit, die dem persönlichen Selbstfindungssuchmaschinenanfrageaufruf folgen.

Die hauptsächlich kulinarisch geprägte Italien-Teiltrip löste in mir keinerlei Regung aus – einmal abgesehen von der Szenenbild mit dem von den Nonnen geteilten Eisgenuss. Hier deutet sich bereits an, dass Mrs. Roberts in ihrer Rolle als Elizabeth Gilbert –die u.a. in dem an den entsprechenden autobiografischen Roman angelehnten Drehbuch wenig selbstbestimmt angelegt sein mag – teil-, strecken- und zeitweise hinter die sie flankierenden Nebendarsteller (in Italien insbesondere: Tuva Novotny) zurückfällt.
Spürbar wird der Film für mich erst in Indien ab der Begegnung mit dem Texaner Richard (verkörpert von seinem Vornamensvetter Richard Jenkins), der Elizabeth selten beim Namen, sondern fast ausschließlich Hau rein! nennt. Hervorzuheben ist auch die Bali-Medizinmann-Figur (mit Mängeln in Bezug auf die Zahngesundheit), welcher Hadi Subiyanto – insgesamt erfrischendes – Leben einhaucht.
Die Kombination Bardem-Roberts wertet das Cast weiter auf, zumal ich erstmals den Eindruck hatte, dass sich die Hauptdarstellerin in ihrem Schauspiel zumindest ein Stück weit entfalten konnte.

Eine Aneinanderreihung von größtenteils durchaus beeindruckenden Landschaftsbildern, von (hauptsächlich westlichen) Essensgewohnheiten, von dramaturgisch wenig überraschenden Einsichten einer Amerikanerin – das alles ist EAT, PRAY, LOVE. Irgendwie. Und damit für meinen Anspruch leider zu wenig.

An dieser Stelle möchte ich aus der italienischen Zeitung La Repubblica einen Teil der Kritik des Journalisten Curzio Maltese (in der von der englischen Wikipedia präsentierten Übersetzung) aufgreifen und mache mich dabei mal eben selbst an einen Übersetzungsversuch ins Deutsche (man vergebe mir diese Anmaßung – wenn man sie denn als solche empfindet):

Selbstverständlich hätte die Geschichte uns mehr überrascht, wenn Julia herausgefunden hätte, wie gut man in Mumbai essen kann, wie viel sie in Indonesien beten und wie man sich selbst in der Grande Raccordo Anulare [Anm.: Ringautobahn um Rom] verlieben kann – möglichst die Rushhour vermeidend.

DVD und Blu-ray Verleih per Post (inklusive VoD)