Samstag, 23. Mai 2009

Der 1. CineMaRathon vom 30.04.2009

CINEtologie hat sich stets bemüht, in den Genuss des Rufes einer un- bis außergewöhnlichen kritischen Instanz im nächstgelegenen Kino zu kommen.
Aber das, was am letzten Tag des 4ten Monats des 9ten Jahres des 2ten Jahrtausends von dem ranghöchsten CINEtologen und einem CINEtologischen Anwärter im CineStar Neubrandenburg veranstaltet wurde, lässt sich von Außenstehenden schwerlich als rationale Handlung oder als gelungene Spontanaktion begreifen: 443 reine Filmminuten (Werbung und notgedrungene Wartezeiten aufgrund von Saal- und Filmrollenwechsel nicht mitgerechnet).
Aber CINEtologen sind eben nicht auf das Verständnis des sozialen Umfeldes angewiesen!

An dieser Stelle eine Danksagung an meinen Kinokumpanen und Mitwisser der CINEtologik sowie an die Mitarbeiter des CineStar Neubrandenburg für einen angenehmen und reibungslosen Kinonachmittag bis –abend.

Kritik: X-Men Origins - Wolverine (ab 15:00 Uhr)



Nur weil die X-Men-Reihe bis dato nie für eine Begutachtung in einem Kinosaal in Frage gekommen war, ist nie auszuschließen, dass der neueste Sequel die undurchsichtigen Kriterien, welche die CINEtologen dafür entwickelt haben, erfüllen kann…



CINEtologisches Fazit:

Hugh Jackman aka Logan mit den Scherenhänden alias Wolverine, der mit einer bezaubernden Frau (Lynn Collins) das Bett teilt, die ihn bei Berührung manipuliert…
Bitte was?! Ihr haltet das nicht für eine übersinnliche Fähigkeit, sondern lediglich für einen eine Verarbeitung der Erfahrungen aus der Ehe von David Benioff [Anm. des CINEtologen: Drehbuchautor]?!
CINEtologie ist doch nicht bloß eine weitere Plattform, auf der vollkommen haltlose Spekulationen angestellt werden, ich bitte euch! Oder sehen wir etwa aus wie das globale Bankwesen?!

Zurück zur reZension:
Die Charaktere überzeugen (besonders beeindruckend auch: Gambit, gespielt von Taylor Kitsch), die Story rund um Savants aus der Hollywoodschmiede und außerirdische Werkstoffe mit dermatologisch getesteter Hautverträglichkeit kann sich sehen lassen, Plot und Musik machen zumindest nichts verkehrt.

Als erste Etappe im CineMaRathon eine gute Aufwärmübung mit Effektfeuerwerk.

7-Sterne-Skala:

Gesamteindruck: ****
================
Schauspieler: *****
Story: ****
Plot: ****
Musik: ****

CINEtologischer Würdenträger Ersten Ranges meint:
Am Ende bleiben 104 Minuten leicht verdaulicher Unterhaltung, ein überdurchschnittlicher Actionfilm und ein Comic-Held, der einfach nur Spaß macht!
5 Sterne

Kritik: Gran Torino (17:10 Uhr)





Ob nun Tao oder Mao - wer an einen Gran Torino heran will, muss schon mehr tun, als von seinem Cousin dazu genötigt zu werden.




CINEtologisches Fazit:

Vorurteile strukturieren das Leben von Clint Eastwood in der Rolle des Korea-Kriegsveteranen Walt Kowalski ebenso wie eine griesgrämige Grundstimmung.
Seine Hmong-Nachbarn (darunter die unglaublich Ahney Her als Sue Lor) sind ihm ebenso ein Dorn im Auge wie der Ire, der vor Afro-Amerikanern an der Ecke doch tatsächlich das „B“-Wort in den Mund nimmt (ja, genau er spricht von ihnen als „Brüder“) und es mehrfach wiederholt in dem Glauben, dem äußeren Anschein nach Teil ihrer Subkultur zu sein, seine nächsten Verwandten und der blutjunge Pastor, von dem Walts tote Frau wollte, dass er eine Auge auf Walt wirft.

Ich kenne schlichtweg keinen Film, in dem rassistische Äußerungen und mürrische Charakterzüge derart eng und kunstvoll verwoben sind mit Selbsterkenntnis, Freundschaft und den alltäglichen Oxidationsprodukten, die vom amerikanischen melting pot tropfen.

Dieser Film ist als zweite Etappe im CineMaRathon mein erster Anwärter für die 7-Sterne-Konstellation in diesem Jahr!

7-Sterne-Skala:

Gesamteindruck: *******
===================
Schauspieler: *******
Story: *******
Plot: *******
Musik: ******

CINEtologischer Würdenträger Ersten Ranges meint:
Ganz anders als andere Filme, die momentan die Leinwände des Landes erhellen, sind und bleiben die Charaktere in diesem Film auch wirklich interessant.
Eine erstklassige musikalische Untermalung rundet das gelungene Gesamtergebnis ab.
Gerne mehr Herr Eastwood.
6 Sterne

Kritik: Duplicity (19:50 Uhr)





Clive & Julia in einem sozio-ökonomischen Wechselspiel, dessen Regularien und Rahmenbedingungen so durchsichtig sind wie es sonst nur eine verspiegelte Milchglasscheibe sein kann…



CINEtologisches Fazit:

Welches Schauspielduo bei mir sehr nahe an der Spitze in einem Schauspielduo-Ranking zu finden sein wird, kann man sich jetzt wohl an einer Hand abzählen, aber es ist mir schon wichtig klarzustellen, dass Mr. Owen (im Film: Ray) und Mrs. Roberts (im Film: Claire) in diesem Verwirrspiel wirklich brillieren.
Keine Irrungen und Wirrungen ohne eine maßgeschneiderte Plot, die sich dann aber letztlich nicht so förmlich präsentiert und dem Zahlendreher (Sag mal, war das jetzt der Monat davor oder danach?) eine ganz neue Bedeutung gibt.
Die Story selbst lässt sich zwar unter dem Stichwort Industriespionage gruppieren – das würde dann allerdings zu kurz greifen und dem absolut nicht gerecht werden.

Eine grandiose Schlussszene rundet das Bild der dritten Etappe auf dem Weg zur 24-Uhr-Ziellinie ab.


7-Sterne-Skala:

Gesamteindruck: *****
=================
Schauspieler: ******
Story: *****
Plot: ******
Musik: ****

Kritik: Crank 2 (22:10 Uhr)




1000 Meter tief fallen und sich wieder aufraffen bzw. unsanft aufgerafft zu werden... klingt entweder nach einer in anderer Form bekannten Lebensweisheit… oder aber nach Surrealismus und Absurdität in Person.



CINEtologisches Fazit:

Eins vorweg:
Crank 2 schafft das, was anderen Sequels versagt ist – die Steigerung auf ein neues Level. In diesem Fall ein Level wirklich gestörter Szenarien und Personalien.

Jason Statham schafft den perfekten Spagat zwischen Selbstironie (wenn eine Oma im Interview nach einer Begegnung mit Chev Chelios feststellt, dass er verblüffende Ähnlichkeit mit dem Transporter hat…) und Aberwitz.
Die Story ist schnell erzählt (Herz-OP – Kunstherz – Verfolgungsjagd nach Original-Herz), hinterlässt aber einen bleibend-komischen Eindruck.
Cut Scenes u.a. mit Amiga-Comik-Elemente tragen zu einem ganz eigenen Stil bei; so auch der Einschub eines Godzilla-Battle in Schwarz-Weiß mit Playmobilmännchen.
Ganz nebenbei begegnen wir hier auch ein zweites Mal dem Diktator Mao in Form eines Abbildes im Posterformat… aber das nur am Rande.
Ein dritter Teil darf angesichts der eindeutigen Schlusssequenz vermutet werden.

Keine Frage:
Diese abgedrehte Action-Komödie komplettierte den CineMaRathon gegen 24 Uhr auf eine sehr krasse Art und Weise.


7-Sterne-Skala:

Gesamteindruck: *****
=================
Schauspieler: *****
Story: ****
Plot: *****
Musik: *****